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Kulmbach

"Gute Pflege kann nicht billig sein"

27.07.10  Von: Dagmar Besand

Kampagne Kamapagne Die Kulmbacher Wohlfahrtsverbände kritisieren die unzureichende Finanzierung der ambulanten Pflege. Sie beteiligen sich an einer landesweiten Protestaktion mit Plakaten und Info-Veranstaltungen, um auf die schwierige Situation aufmerksam zu machen.

Mehr Zeit für die  Pflege und Betreuung der ihnen anvertrauten Menschen wünschen sich Dana Fleischer, Leiterin der Kulmbacher AWO-Sozialstation, und alle Mitarbeiter der ambulanten Pflegedienste. Foto: Anita Hahn
Mehr Zeit für die Pflege und Betreuung der ihnen anvertrauten Menschen wünschen sich Dana Fleischer, Leiterin der Kulmbacher AWO-Sozialstation, und alle Mitarbeiter der ambulanten Pflegedienste. Foto: Anita Hahn

Ambulante Pflege zu Dumping-Preisen? Sieht so die Zukunft aus? Das befürchten die ambulanten Pflegedienste verschiedenster Träger und starten deshalb am Freitag eine bayernweite Kampagne unter dem Motto "Gemeinsam für eine angemessene Vergütung ambulanter Pflege". Sie wollen damit auf die für sie immer schwierigere finanzielle Situation hinweisen. In Kulmbach beteiligen sich die AWO, das BRK, die Caritas und die Diakonie an der Aktion. Mit Plakaten und Info-Veranstaltungen wird nächste Woche in Kulmbach und 24 weiteren Städten in Bayern für die Anliegen der pflegebedürftigen Menschen und eine bessere Finanzierung der Pflegeleistungen geworben.


Vergütung deckt die Kosten nicht


Seit Jahren werden die Vergütungssätze für die ambulanten Pflegedienste in Bayern von den Kranken- und Pflegekassen in Bayern nicht an die tatsächliche Kostenentwicklung angepasst, sagte Peter Konrad, Kreisgeschäftsführer der Arbeiterwohlfahrt, in einem Gespräch mit der Bayerischen Rundschau. "Gute Pflege kann aber nicht billig sein, denn sie erfordert fachliche und menschliche Qualität." "Unsere engagierten Mitarbeiter wollen keine Ruck-Zuck-und-wieder-weg-Pflege", betont Konrad, und so wird häufig mehr Zeit investiert als tatsächlich bezahlt wird. Die Pflegekräfte seien häufig die einzigen Ansprechpartner für die Patienten und unterstützen sie über die Pflege hinaus bei der Organisation des Alltags.

Veränderungen im Gesundheitswesen erschweren die Lage für viele ältere Menschen, denn die Krankenhäuser entlassen ihre Patienten immer früher, so Konrad. "Die ambulanten Pflegedienste machen Handstände, um die Versorgung auf die Schnelle zu sichern. Damit ersparen wir den Krankenkassen hohe Kosten."

Die Frage der Finanzierung ist für die Träger schon lange ein Problem. "Die ambulanten Dienste leiden seit Jahren darunter, dass die Kranken- und Pflegekassen Vergütungen für die häusliche Krankenpflege und Altenpflege durchsetzen konnten, die keine angemessene Finanzierung erlauben", klagt AWO-Geschäftsführer Konrad.

Die Pflegedienste mit ihren Mitarbeitern bräuchten nicht nur eine moralische, sondern auch eine spürbare finanzielle Unterstützung der Kostenträger und der Politik, damit genug Raum für eine menschenwürdige Pflege bleibt, so die Forderung der Sozialverbände.

"Unsere Gesellschaft muss sich fragen, wie sie mit ihren pflegebedürftigen Menschen umgeht und wie viel Geld sie dafür ausgeben will", sagt Peter Konrad. "Wem der Wunsch der Menschen, in den eigenen vier Wänden in Würde alt zu werden, wirklich ernst ist, der hat nur eine Wahl: Die ambulante Pflege endlich besser zu finanzieren."


Hintergründe im Netz


Die Kampagne der Sozialverbände zur Situation in der ambulanten Pflege wird auch im Internet begleitet. Unter der Adresse www.wollen-wir-das-wirklich.de gibt es Hintergründe und aktuelle Informationen.

Mehr über die Probleme der ambulanten Pflege in Kulmbach lesen Sie auf der Seniorenseite in der Mittwochsausgabe der Bayerischen Rundschau.



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