Lebenssituation von Frau M. und Erwartungen ihrer Angehörigen

Frau M. ist ca. 80 Jahre alt, verwitwet, lebt von ihrer kleinen Rente in einer Kleinstadt, die Kinder wohnen weit weg und haben wenig Zeit, da sie noch berufstätig sind.

Frau M. ist vergesslich geworden, begreift vieles nicht mehr, Rat- und Tatlosigkeit stellen sich ein.

Kontakte zu früheren Freundinnen und Bekannten sind verloren gegangen, nicht wenige sind auch schon verstorben, Nachbarn kümmern sich nicht mehr.

Frau M. trägt schmuddlige Kleidung und riecht unangenehm, ihre Wohnung ist seit langem nicht mehr geputzt und riecht entsprechend, im Kühlschrank lagern verschimmelte Lebensmittel - aber für eine Pflegestufe ist sie noch nicht hilflos genug.

Der Hausarzt, zu dem sie manchmal geht, weil sie sich nicht wohl fühlt und Medikamente braucht, ist ratlos – nein, doch nicht! Es gibt ja die Sozialstation - die soll sich täglich um die Medikamente kümmern. Die Fachkraft kommt nun ein Mal täglich, um regelmäßig die Medikamente zu geben und erlebt die desolate Gesamtsituation von Frau M. – der Pflegedienst bekommt von der Krankenkasse für die Medikamentengabe 1,72 € pro Tag plus Anfahrtspauschale von 4,57 €.

Die Kinder sind froh, endlich hat die Mutter Unterstützung! Aber die Erwartungen von allen sind hoch: Der ambulante Pflegedienst kann sich doch nebenbei auch um folgende Dinge kümmern:

  • Besorgung der Medikamente,
  • Sorge, dass jemand die Wohnung reinigt,
  • Sorge, dass Frau M. regelmäßig etwas nicht Verschimmeltes zu essen hat,
  • Sorge, dass der defekte Heizkörper ausgetauscht wird,
  • Sorge, dass ein schon lange fälliges Behördenformular ausgefüllt wird,
  • Sorge, dass Frau M. mal wieder Besuch bekommt,
  • und so weiter und so fort.

Und das alles für insgesamt 6,29 € pro Tag incl. Anfahrt? Dafür würde z.B. ein Handwerker gar nicht erst aus der Garage fahren!